Rafael Reuther verabschiedet sich

Rafael Reuther verabschiedet sich
Es kommt mir so vor, als ob es gestern gewesen wäre, dass ich die erste Umzugskiste in das Pfarrhaus in Obertürkheim geschleppt hätte. So schnell sind zweieinhalb Jahre vergangen. Wenn ich jetzt wieder meine Kisten packe, dann merke ich, dass zahlreiche Kisten dazugekommen sind. Aus meiner Zeit hier in Obertürkheim-Uhlbach packe ich ein, was ich im Vikariat gelernt habe: Gottesdienste zu halten, Konfi-Unterricht und Schulunterricht zu geben, Beerdigungen zu machen und vieles mehr.
Sie als Gemeindeglieder haben miterlebt, wie ich die vielen Aufgaben einer Pfarrperson gelernt, ausprobiert und vertieft habe. Mit Ihnen werde ich immer die Zeit in Verbindung bringen, in der ich meinen Beruf erlernt habe. Für mich ist das etwas ganz Besonderes. Vielen Dank, dass Sie sich auf mich als Vikar eingelassen haben.
Das Vikariat hier in Obertürkheim-Uhlbach war aber für mich mehr als eine Ausbildung. In die Kisten in meinem Herzen packe ich die vielen freundlichen Begegnungen, die Gedanken aus Gesprächen und die Freude an der gemeinsamen Gemeindearbeit ein. Mit Ihnen habe ich meinen Beruf nicht nur gelernt, sondern auch gespürt, dass das Pfarramt der richtige Weg für mich ist. Ich bin sehr dankbar, dass Sie mir den Einstieg in den Beruf so leicht gemacht haben.
In den letzten zweieinhalb Jahren habe ich gespürt, dass der christliche Glaube ein Angebot ist, mein und unser aller Leben zu deuten. Erst wenn ich eine Erfahrung oder ein Ereignis deute, dann bekommt es auch eine Bedeutung. Zum Beispiel ist die Taufe eine Deutung, dass ein (kleiner) Mensch einmalig ist und, egal was passiert, von Gott geliebt wird. Auch jeder Sonntagsgottesdienst ist ein Angebot, dem eigenen Leben oder der ganzen Welt eine Bedeutung zu geben: Eine religiöse Deutung gibt Orientierung im Chaos und stärkt in der Not. Es tut aber auch gut, Schönes und Freudiges zu deuten, denn im Lob Gottes spüre ich eine Dankbarkeit, dich mich auch über den freudigen Moment hinaus trägt.
Wenn ich nun meine Kisten packe und weiterziehe, dann tue ich das mit großer Dankbarkeit. Vieles, was ich hier gelernt und erlebt habe, wird mich auf meinem weiteren Weg begleiten. Denn ab dem ersten März werde ich in der landeskirchlichen Medienarbeit tätig sein und die Radioandachten beim SWR begleiten. Ich freue mich sehr auf diese neue Aufgabe, denn jede Morgenandacht ist ein Angebot, den Tag bewusst zu beginnen. Wenn ich die Radioandacht am Morgen höre, dann schenkt sie mir einen Impuls, den kommenden Tag zu deuten.
Ich freue mich darauf Sie einmal wiederzusehen. Vielleicht sogar schon am 15. März um 17 Uhr. Gemeinsam mit meiner Kollegin Leonie Brujmann werde ich in der Stadtkirche Bad-Cannstatt von Dekan Eckart Schultz-Berg ordiniert. Herzliche Einladung zu diesem Festgottesdienst mit anschließendem Ständerling!


